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Rollt. #1: Parkettgeflüster mit Malik Zahary – „Du musst immer groß denken“

19. August 2013 Allgemein

Es gibt mit Sicherheit Männer, denen ein Anzug besser steht als Malik Zahary. Aber wie im normalen Leben auch, kommt es nicht auf die Hülle, sondern den Inhalt an. Es zählt das Sein – und nicht der Schein. Die Ergebnisse – und nicht die Worte. Und mit eben jenen Resultaten und dem Sein kann der 37-jährige Frankfurter seit diesem Jahr als Head Coach der Skywheelers aufwarten.

Vizemeister. Pokalfinalist. Den Serienmeister aus Wetzlar in der Hauptrunde zuhause an den Rande einer Niederlage gebracht. Das Halbfinale gegen Zwickau gedreht. Alles tolle Ergebnisse, die den Skywheelers und dem Sohn eines französischen Vaters und einer deutschen Mutter viel Respekt in der Liga eingebracht haben, aber, um in der Sprache Zaharys zu bleiben, „wurde letztlich nichts gewonnen“. Ja, er „wollte das letzte Spiel der Saison mit seiner Mannschaft spielen“. Darum geht es im Sport. Sportler wollen gewinnen, siegen, Erfolge einfahren. Für viele mögen die Worte überheblich klingen, nicht jedoch aus dem Mund des ehemaligen Regionalliga-Referees, der, bevor er den Weg zu den Mainstädtern fand, den üblichen Basketballweg beschritt.

Der Erstkontakt mit dem orangenen Leder und dem Rollstuhlbasketball – Erste Kontakte mit dem orangenen Leder gab es für den Hobby-Triathleten Ende der 80er-Jahre, als er mit den damals in Frankfurt stationierten U.S.-Soldaten dem Basketball hinterherjagte. Wie bei etlichen anderen Spielern auch, führte ihn der Weg in den nächstgelegenen Basketballverein. Im Falle Zaharys war dies der PSV Frankfurt, wo er, nachdem er dort am Spielbetrieb teilnahm, auf den Trainerstuhl wechselte. Notgedrungen. Sorgte doch ein Muskelabriss im Oberschenkel zu einer einjährigen Schaffenspause auf dem Court. Dort angekommen trainiert er neben diversen Jugendteams auch die Landesliga-Equipe sowie später auch Teams bei der Eintracht und den Skyliners. Eben jene Skyliners waren es, die den schlaksigen Basketball-Lehrer zu den Skywheelers brachten. „Nach dem Training mit den Skyliners sprach mich Horst Lozar, der leider verstorbene Vorstand der Skywheelers, an, ob ich mir nicht vorstellen könnte, mich im Rollstuhlbasketball zu engagieren“, so der 37-Jährige. Dies war der Startschuss für das Abenteuer „Rolli-Basketball“.

Bewegungsabläufe im Rollstuhl selbst ausprobiert – Zahary erkundigte sich bei Spielern über den Sport, investierte viel Zeit, machte seine Lizenz für den Rollstuhlbasketball, pfiff Regionalliga-Partien der Skywheelers, schnallte sich im Rolli fest, um zu spüren und zu erfahren, welche Muskelgruppen wie beansprucht werden – und er sichtete alle YouTube-Videos der gegnerischen Teams, „die“, so der B-Lizenzinhaber des DBB, „kaum von Teambasketball geprägt waren“. Der 37-Jährige spricht aus was er denkt. Ist authentisch, ehrlich und verschafft sich dadurch Respekt bei seinen Spielern. „Akteure“, so der Hobby-Triathlet, „die Leistungssportler sind, deren mentales Setting offener ist, als das von Fußgängern. Menschen, die eben nicht gleich sind, sondern individuell behandelt werden müssen. Mit Laissze-Faire kommst du nicht weit. Du musst mit dem Herz dabei sein und nicht verwalten. Es gilt sich erreichbare Ziele zu setzen, um besser zu werden – und du musst dich daran messen lassen.“ Aussagen, die Wirkung zeigten. Er schwor sein Team ein. Verteilte die Aufgaben neu und verzichtete auf einen „go-to guy“. „Wir haben trotz Mini-Budget viel erreicht. Am Ende der Saison waren einige schon satt. Jetzt gilt es, das Team zusammenzuhalten und unseren Prinzipien treu zu bleiben. Die kommende Spielzeit beginnt bei Null. Es muss aber auch einiges anders laufen, so müssen wir an den Strukturen arbeiten und diese verändern.“ Worte des Aufbruchs aus dem Mund des 37-jährigen „Rolli-Newcomers“, die, werden die bisherigen Ergebnisse zugrunde gelegt, nicht abgehoben, sondern respektvoll-optimistisch klingen. Authentisch eben, wie Zahary selbst.

Quelle: Rollt. #1 | Martin Schenk

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